Unser Konzept
Umsetzung der Reggio-Pädagogik in der Kita Bambini Oase
Unser Bild vom Kind und die sich daraus neu entwickelnde Rolle der Erzieherin
Wir, als Erzieher und Erzieherinnen, betrachten jedes Kind von Geburt an als eigenständige Persönlichkeit mit unterschiedlichen Fähigkeiten und vielfältigen Ausdrucksformen. Das Kind erhält bei uns die Möglichkeit, seine eigene Fortentwicklung nach seinen individuellen Neigungen, Interessen und Begabungen zu bestimmen. Dabei bestimmt das Kind sein Entwicklungstempo selbst, wobei wir es begleiten möchten.
Berufsrollenverständnis
In unserer Arbeit hat sich eine Art Rollenveränderung entwickelt, so dass nicht mehr vorrangig der Erwachsene zeigt und erklärt, sondern auch wir von und mit den Kindern lernen.
Wir sehen uns als Begleiter und Assistent jedes einzelnen Kindes. Dabei lassen wir den Kindern die Zeit, die sie brauchen, um sich weiterzuentwickeln, denn wir wollen nicht einem passiven Kind etwas lehren, sondern ein aktives Kind in seinen Lernprozessen unterstützen.
In unserer pädagogischen Arbeit mit den Kindern steht nicht das Ziel im Vordergrund, sondern der Prozess der Wegfindung zum Erreichen des individuell gestellten Lernzieles.
In der Reggio-Pädagogik berücksichtigen wir den Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes und werten nicht nach »falsch« oder »richtig«, nach »schön« oder »nicht schön«. Wir wissen, dass Kinder die Fähigkeit besitzen, ihre eigenen Theorien zu entwickeln. Das Kind eignet sich auf seine eigene Weise und im Experimentieren Wissen und Fähigkeiten an.
Wir denken im gegenseitigen Erfahrungsaustausch darüber nach, wie das Kind sein eigenes »Ich« gestalten bzw. entwickeln kann.
Wir, als Erzieher und Erzieherinnen, erleben, wie die Kinder mit Freude und Begeisterung eigenständig entdecken lernen, sich ihre Welt fragend und forschend erobern und dabei ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Gefühle mit verschiedenen Mitteln zum Ausdruck bringen.
Dazu benutzt das Kind alle Sinne, es stellt Thesen auf und sucht im praktischen Tun nach Bestätigung.
Durch gezielte Beobachtungen können wir herausfinden, welche und wie viel begleitende Unterstützung die Kinder für ihre Weiterentwicklung benötigen. Wir wollen die Kinder nicht einengen, sondern ihre Kreativität und Fantasie aktiv unterstützen und begleiten.
Material
Hierbei ist es wesentlich, das richtige Material anzubieten, das zum Thema notwendig wird. Wir gestalten die Umgebung der Kinder nach der Reggio-Methodik so, dass sie Material und Möglichkeiten haben, auf ihre Fragen Antworten zu finden und kreativ zu werden.
Dokumentation
Zu unseren Aufgaben gehört es, dass wir den Kindern zuhören, zusehen, sie gezielt beobachten, unterstützen und neugierig machen sowie ihre Fragen und Antworten dokumentieren.
Je nach Altersgruppe bieten sich hierzu auch besonders die »Quasselrunden« an. So können wir herausfinden, was für die Kinder von besonderem Interesse ist, womit sie sich gedanklich und seelisch beschäftigen, welche Fragen und Hypothesen sie bewegen.
Mit dem Mittel der Dokumentation, die auch stets den Kindern, Eltern und allen interessierten Personen zugänglich ist, wird es uns möglich, die Prozesse und Entwicklungen festzuhalten.
Unsere Kinder können durch ihre Arbeiten ihre Identität finden und ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entwickeln. Weiterhin werden wir zur Identitätsfindung mit der Führung von pädagogischen Tagebüchern für Kinder im Krippenalter beginnen.
Gespräche
Besonderen Wert legen wir dabei auf die sorgfältigen Beobachtungen jedes einzelnen Kindes, beginnend mit dem Eintritt in unsere Einrichtung. In vertrauensvollen Gesprächen mit den Eltern wollen wir wesentliche Aspekte über die Kinder erfahren, bevor sie zu uns in die Kita kommen. So können wir uns über den Entwicklungsstand der Kinder, seine besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten, wie auch Gemeinsamkeiten mit anderen informieren.
Jede Einzelheit, ob zu Hause oder in der Einrichtung, wird ernstgenommen, Alltägliches und Besonderes in seiner Auswirkung auf das Kind betrachtet. Je nach Wunsch und Möglichkeit bieten wir hierzu auch Hausbesuche an.
Das kindliche Spiel
Große Beachtung widmen wir dem kindlichen Spiel, der Haupttätigkeit des Kindes, denn Kinder lernen spielend. Hier haben Kinder die Möglichkeit, »ihre Welt« so wieder zu spielen, wie sie es erleben und verstehen.
Das Spiel ist in besonders ausgeprägter Weise ein selbstbestimmtes Lernen mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Beteiligung, mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz. Es ist ein ganzheitliches Lernen, weil es die ganze Persönlichkeit fordert und fördert. Im Spiel lernen die Kinder freiwillig und mit Spaß, über Versuch und Irrtum, aber ohne Versagensängste. Im Spiel stellen sie sich ihre Fragen selbst und erfinden dazu die Antworten. Das entspricht zugleich dem Prinzip der Förderung von Bildung und Weltverständnis. Hier werden alle Lernbereiche miteinbezogen.
Das Spiel ist die Möglichkeit für Kinder, sich mit anderen Personen auseinander zu setzen, ihnen näher zu kommen, ihre Eigenheiten, Stärken und Schwächen zu entdecken und zu respektieren – und damit zugleich sich selbst vertrauter zu werden. Sie gewinnen Selbstvertrauen.
Spielformen
Wir unterstützen die Kinder, selbst zu entscheiden, was, wann, wie lange und mit wem sie spielen möchten.
Die Erzieher und Erzieherinnen ermuntern die Kinder, eigene Spielideen zu entwickeln, und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Wir verabreden mit den Kindern Grenzen und Regeln und helfen bei Konflikten.
Hier kann sich die Verarbeitung im Umgang mit dem Material, in Form von Bauformen, Zeichnungen, Bildern und im Rollenspiel darstellen. Wir stellen den Kindern frei zugängliche Materialien zum Forschen und Experimentieren bereit, sowie vielseitig verwendbares Spielzeug und Gegenstände des täglichen Lebens.
Möglichkeiten zum kindlichen Spiel sind daher von uns pädagogisch auszurichten. Freispiel heißt, dass die Kinder selbst entscheiden, was sie spielen möchten. Lernspiel oder gelenktes Spiel bietet die Möglichkeit, die Kinder an gewisse Spielformen heranzuführen (Gesellschaftsspiele, Geschicklichkeitsspiele) und an Regeln zu gewöhnen. Hier kann die Erzieherin einem Kind den Einstieg in das Zusammenspiel erleichtern und Spielideen mit einbringen.
In unserer pädagogischen Arbeit orientieren wir uns auch an den Jahreszeiten, an Festen und Feiertagen. Die Feste bestimmen weitgehend die Themen, mit denen sich die Kinder und Erzieherinnen beschäftigen. Die Jahreszeiten bestimmen die Themen, die sich in Geschichten, Liedern und Bastelmaterialien wiederfinden lassen.
Durch Beschreibung von Lern- und Spielsituationen, Erfassung von Äußerungen der Kinder in Form von Fragen und Antworten, aber auch mittels Darstellungen in Fotodokumentationen wollen wir auch den Eltern und Besuchern verdeutlichen, was in unserer Einrichtung geschieht, und somit den Stellenwert unserer pädagogischen Arbeit in unserer Kita verdeutlichen.
Die Kinder sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Bildung und Erziehung sollten also als wichtiges gesellschaftliches Anliegen betrachtet werden.
Projektarbeit als Kernstück unserer pädagogischen Arbeit
Lernen in Projekten (zeitlich begrenzte Bearbeitung von Themen mit allen Sinnen) ist ein entdeckendes und forschendes Lernen.
Projekte richten sich stets nach Interessen und Bedürfnissen der Kinder und entstehen nach Beobachtungen (z.B. Gespräche der Kinder untereinander und Spiele miteinander).
Beobachtungen
Neben den zufälligen Beobachtungen im Kita-Alltag gehören regelmäßige und gezielte Beobachtungen zu unseren wichtigsten Werkzeugen, um Kinder wirksam in ihren Bildungsprozessen zu unterstützen.
Ein anderes Beobachtungsziel besteht darin, die aktuelle Interessens- und Bedürfnislage der Kindergemeinschaft zu erfassen. Jede Beobachtung setzt Klarheit über Beobachtungsabsicht voraus.
Planung
Projekte werden nicht für, sondern mit den Kindern geplant.
Für uns ist jedes Projekt neu, auch wenn es um ein Thema geht, das bereits von einer anderen Gruppe bearbeitet wurde, denn die Durchführung ist immer von der Zusammensetzung der Gruppe und neu entstehenden Fragen und Hypothesen abhängig. Selbstverständlich werden die Projekte in ihren Schritten und Zielen geplant, jedoch müssen die Erzieher flexibel sein, um zu erreichende Ziele gegebenenfalls zugunsten von Zwischenzielen aufgeben zu können bzw. zu verändern.
Wir führen eine »Stoffsammlung« zum Thema durch, analysieren mit Kindern, Eltern und Kollegen, unterstützen differenzierte Tätigkeiten und Aktivitäten der Kinder und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Das bedeutet, auch Umwege zuzulassen, der Logik der Ereignisse zu folgen, Fehler als Übergänge von einer Situation in die nächste zu bewerten und zu schätzen. Projekte können auch zeitweilig ruhen. Der Ausgang des Projektes bleibt hierbei immer offen.
Für Lernangebote und Projektarbeit können sich unsere Kinder frei entscheiden – es bedeutet kein Muss für sie. Wir nutzen die Erfahrung, dass die Kinder dann lernen, wenn sie sich dafür interessieren.
Es gibt bei uns verschiedene Angebote, die zu Einzel- und Gruppenaktivitäten anregen, sowie viele Einzelkonzeptionen.
Umfeld
Projekte bleiben nicht nur auf die Räume der Kita begrenzt.
Das Motto der Reggio-Pädagogik »Hundert Sprachen hat ein Kind« verweist darauf, wie vielfältig das Kind seine Umwelt wahrnehmen und darstellen kann. Je nach Angebot und laufenden Projekten erkunden wir mit den älteren Kindern das Umfeld unseres Bezirks.
Ganzjährig nutzen wir auch nahegelegene Spielplätze, den Volkspark Friedrichshain oder den Anton-Saefkow-Park zum spielen, planschen, rodeln, betrachten Naturereignisse, machen Picknick oder uns auf die Suche nach einem Schatz. Wir besuchen (wenn es die personelle Situation zulässt) Vorstellungen im Theater, die Kinderbibliothek oder Begegnungsstätten, gehen ins Kino oder Bastelclubs.
Auch suchen wir gemeinsam Kontakte zu Personen außerhalb der Kita, die unseren Alltag mit neuen Ideen und Aktivitäten bereichern. Um ehrenamtliche Helfer, Spender und Sponsoren auch noch im weiteren Umfeld bemühen wir uns.
Bereits vorhandene, geknüpfte Beziehungen zu Firmen, Geschäften und Institutionen (wie mit einer Apotheke, der Bäckerei und der Zahnarztpraxis) werden wir aufrechterhalten.
Durch die Gründung unseres Fördervereins für unsere Kita erhoffen wir uns eine noch intensivere Einbindung in das Umfeld und die Öffentlichkeit und vor allem neue finanzielle Möglichkeiten zur Ausstattung und Ausgestaltung.
Externe Angebote
Angebote von Außen durch eine Tanzschule, Musikschule, Englisch-, Fußball- oder Schwimmkurse gegen zusätzliche Gebühr unterstützen wir bei Wunsch durch die Eltern.
Elternarbeit, Kiezbezogenheit, generationsübergreifender Austausch
Unser Elternprofil ist heute durch engagierte, anspruchsvolle Eltern gekennzeichnet, die ihre Kinder durch uns betreuen lassen möchten. Sie haben ihr Wunsch- und Wahlrecht und nehmen hierfür oft lange Wartezeiten bis zur Aufnahme in Kauf.
Eltern
Die Eltern treffen Entscheidungen zur Wahl ihrer Kita vorrangig nach dem Erstgespräch aus der Sicht des Betreuungskonzeptes, des Gartens, der Ernährung und der positiven Empfehlungen. Um den Erwartungen und Wünschen der Eltern (und unseren eigenen) gerecht zu werden, müssen wir die bisherige Elternarbeit immer wieder überprüfen und neu durchdenken.
Wir wollen uns an den Bedürfnissen von Eltern und Familien orientieren und die Unterschiedlichkeit in ihren sozialen, religiösen, weltanschaulichen, kulturellen und sprachlichen Lebenshintergründen hierbei beachten. Wir haben erkannt, dass pädagogische Arbeit wenig Wirkung zeigt, wenn sie das reale Umfeld der Kinder außer Acht lässt.
Die Erzieherinnen in Reggio sagen: »Nur wenn wir uns öffnen, öffnen sich auch die Familien«. Die Eltern zeigen sich interessiert an der Reggio-Pädagogik und äußern den Wunsch nach Informationen und Mitarbeit. Eltern sind die ersten und engsten Bindungspersonen ihres Kindes und dadurch die wichtigsten Partner der Kindertageseinrichtung bei der Bildung und Erziehung des Kindes.
Vorrangig wünschen wir uns von unseren Eltern vor allem Interesse am Kita-Alltag und Unterstützung bei unserer Arbeit. Für ein entwicklungsförderndes Erziehungsklima benötigen wir Vertrauen, Handlungsfreiheit und Akzeptanz der Eltern.
Kooperation
Im offenen Dialog zwischen Team und Eltern müssen wir uns Klarheit über Ziele und Grenzen im Kita-Alltag verschaffen.
Erste Möglichkeiten kündigen sich hier durch ein vertrauensvolles und ausführliches Aufnahmegespräch, aber auch durch die Eingewöhnungszeit nach einem Modell von Laeven an.
Regelmäßig bieten wir den Eltern Gespräche über den Entwicklungsstand der Kinder an. Zwei- bis dreimal jährlich treffen wir uns zu Elternabenden in gemütlicher Runde, um Informationen über den Gruppenalltag zu vermitteln, sowie über anstehende Fragen und Probleme zu beraten. Fragen zu Tagesabläufen, Projekten und pädagogischen Themen klären wir in gemeinsamer Entscheidung mit den Kindern und Mitarbeitern. Das Mitspracherecht der Eltern sichern wir durch die gewählten Elternvertretungen und unseren Förderverein.
Transparenz
Für unsere Eltern haben wir das Haus weitgehend geöffnet. Nicht nur in der Phase der Eingewöhnung machen sie vom direkten Dabeisein im Ablauf des Gruppengeschehens Gebrauch, sondern auch beim Bringen und Abholen der Kinder.
Hierdurch kann das Bedürfnis nach Dialog und Austausch genutzt und gefördert werden. Ebenfalls wird der konzeptionelle Anspruch nach Offenheit und Transparenz deutlich.
Viele engagierte Eltern sind im Förderverein organisiert, als Elternvertreter, beim Küchenprojekt und in der Garten AG aktiv, was unsere pädagogische Arbeit sehr unterstützt.
Weiterhin bitten wir unsere Eltern, uns mit ihren eigenen Ideen und Vorschlägen bei Projekten, Vorführungen, Ausstellungen und Basaren, sowie bei der Ausgestaltung von Festen und Feiern zu unterstützen.
Die Eltern erhalten einen Einblick in den Bildungsprozess der Kinder durch gemeinsam mit den Kindern erarbeitete Dokumentationen von kleineren und größeren Projekten. Sie bieten Anregungen für Gespräche zwischen den Kindern, Erzieherinnen und Eltern. Kontinuierlichen Dokumentationen können Entwicklungsfortschritte einzelner Kinder beschreiben.
Unseren konzeptionellen Anspruch nach Offenheit und Transparenz verwirklichen wir durch direktes Dabeisein.
Regelmäßig bringen sich engagierte Eltern bei der Umsetzung der Raumkonzeption, bei Renovierungsarbeiten, in der Gartenpflege und notwendige Hilfsaktionen ein.
Treffpunkt
Unsere Kita sieht sich nicht nur als ein Ort für Kinder, sondern als generationsübergreifenden Treffpunkt, als Stätte öffentlichen und kulturellen Lebens.
In der Reggio-Pädagogik versteht man den generationsübergreifenden Ansatz als eine selbstverständliche Einbeziehung der Kinder in den Lebensalltag, und umgekehrt auch eine verantwortliche Teilnahme von Erwachsenen am kindlichen Tun. Zwischen den einzelnen Familien haben sich Kontakte und Freundschaften entwickelt, die wir sehr begrüßen.
Nach wie vor bildet unsere Eingangshalle im roten Haus, gestaltet nach dem Reggio-Ansatz, durch variable Spiel- und Manipulierelemente einen zentralen Spielplatz (Piazza) mit einem individualisierenden Charakter. Es ist hierdurch eine Atmosphäre geschaffen, in der sich Kinder zum Spielen eingeladen fühlen, sowie Eltern, Großeltern und andere mit Kindern umgehende Personen kommunizieren können. Der Eingangsbereich gestaltet sich so zur Visitenkarte des Hauses. Hier finden Eltern, Kinder und Kitapersonal eine zusätzliche Möglichkeit des Erfahrungsaustausches, der Begegnung und Verständigung.
Wir bieten unseren Familien am Wochenende den Garten und die Räumlichkeiten zur Nutzung an. Dort können sie dann Kindergeburtstage, Abschiedsfeiern, Treffen der Elternschaft o.ä. gestalten. Dafür nehmen wir gern eine kleine Spende entgegen.